Apple gewinnt Inklusionspreis 2015

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Mit den Bedienungshilfen für iOS und OS X bietet Apple seit vielen Jahren verschiedene Funktionen an, um Menschen mit Handicap die Bedienung von iPhone, iPad, Mac und Co. zu erleichtern. Im Laufe des heutigen Tages wurde Apple für das Engagement geehrt und mit dem Inklusionspreis 2015 ausgezeichnet. Vergeben wurde die Auszeichnung vom Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund e.V. (BBSB), dem größten Verband seiner Art in Deutschland.

Apple gewinnt Inklusionspreis 2015

Judith Faltl, Landesvorsitzende BBSB und Jakob Kwietniewski mit dem Preis “ Die unendliche Fläche“ des Künstlers Gerhard Wokurka

Judith Faltl, Landesvorsitzende BBSB und Jakob Kwietniewski mit dem Preis “ Die unendliche Fläche“ des Künstlers Gerhard Wokurka

Apple gewinnt den inklusionspreis 2015. Das eingebundene Foto zeigt Jakob Kwietniewski, 34 Jahre, der die Auszeichnung stellvertretend für Apple entgegen genommen hat. Jakob ist Diplom-Sozialarbeiter und arbeitet seit drei Jahren als “Specialist” im Berliner Apple Store am Kurfürstendamm. Er ist selbst von Geburt an blind und nutzt intensiv das iPhone und die Apple Watch, egal ob es um die Übersetzung von Blindenschrift in Schwarzschrift geht oder das Erfassen von Texten oder Plakaten um es sich vorlesen zu lassen oder auch für das Recherchieren von Informationen im Internet.

Laudatio von Judith Faltl, Landesvorsitzende BBSB im Rahmen der Landestagung

VoiceOver ist eine von Apple mitgelieferte Brückensoftware, ein so genannter Screen Reader. Die Software ermöglicht blinden und sehbehinderten Menschen das Bedienen der Apple Geräte. Der Bildschirminhalt wird vorgelesen und kann vergrößert und kontrastreich dargestellt werden. Alle Eingaben auf dem Gerät werden von der Sprachausgabe vorgelesen. Die Navigation auf dem Bildschirm wird durch akustische Rückmeldungen unterstützt. Mittlerweile liegt VoiceOver in 26 Sprachen vor.

Die Firma Apple hat mit der Einführung von VoiceOver und der Vergrößerungssoftware ihre Geräte standardmäßig so ausgestattet, dass blinde und sehbehinderte Menschen sie „out of the Box“ nutzen können. Die Beschaffung von zusätzlicher Hard- und oder Software ist nicht nötig.

Wie jeder andere Kunde erwerben sie ein Gerät und können sofort, vom 1. Tag an, mit dem Gerät selbstständig arbeiten. Dadurch, dass Hard- und Software von einer Firma entwickelt werden, gibt es keine Abstimmungsprobleme. Hard- und Software arbeiten optimal zusammen. Die Adaptionen für blinde und sehbehinderte Menschen müssen nicht nachträglich erzeugt werden.

Mit der Apple Watch hat Apple das erste Produkt in seiner Produktfamilie auf den Markt gebracht, bei welchem Barrierefreiheit für blinde und sehbehinderte Menschen von Anfang an berücksichtigt ist.

Im Bereich der Smartphone ist gemäß unserer Kenntnis das iPhone unter blinden und sehbehinderten Menschen am häufigsten verbreitet.

Blinde und sehbehinderte Menschen nutzen das iPhone zum Telefonieren, für das Arbeiten in sozialen Netzwerken und mit Kurznachrichtendiensten, zur Informationsbeschaffung, zum Lesen und Schreiben von E-Mails und Texten, Lesen von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften, für die Navigation im Internet, eine Vielzahl von für den Alltag unterstützenden Apps. beispielsweise zur Farb- und Barcodeerkennung, zur Texterkennung und Verarbeitung, zur Informationsbeschaffung und zur Navigation.

Mit dem Vorgehen, Brückensoftware von Anfang an auf den Geräten zur Verfügung zu stellen, hat die Firma Apple einen Trend gestartet, welcher weitere Hersteller nach und nach dazu bewegte, ebenfalls Adaptionen zur Herstellung von Barrierefreiheit standardmäßig in Geräte zu integrieren.

Das ist ein großer Schritt hin zu universellem Design, wie es die UN Behindertenrechtskonvention fordert.

Ich zitiere:

Artikel 2 Begriffsbestimmungen Im Sinne dieses Übereinkommens
bedeutet ein Design von Produkten, Umfeldern, Programmen und Dienstleistungen in der Weise, dass sie von allen Menschen möglichst weitgehend ohne eine Anpassung oder ein spezielles Design genutzt werden können. „Universelles Design“ schließt Hilfsmittel für bestimmte Gruppen von Menschen mit Behinderungen, soweit sie benötigt werden, nicht aus.

Artikel 4 Allgemeine Verpflichtungen

(1) Die Vertragsstaaten verpflichten sich, die volle Verwirklichung aller Menschenrechte und Grundfreiheiten für alle Menschen mit Behinderungen ohne jede Diskriminierung aufgrund von Behinderung zu gewährleisten und zu fördern. Zu diesem Zweck verpflichten sich die Vertragsstaaten,

F) Forschung und Entwicklung für Güter, Dienstleistungen, Geräte und Einrichtungen in universellem Design, wie in Artikel 2 definiert, die den besonderen Bedürfnissen von Menschen mit Behinderungen mit möglichst geringem Anpassungs- und Kostenaufwand gerecht werden, zu betreiben oder zu fördern, ihre Verfügbarkeit und Nutzung zu fördern und sich bei der Entwicklung von Normen und Richtlinien für universelles Design einzusetzen;

Die Firma Apple ermöglicht blinden und sehbehinderten Menschen die Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft und die optimale Nutzung der Smartphone Technik.

Der Landesausschuss des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes e. V. (BBSB e. V.) hat deshalb beschlossen, der Firma Apple den Inklusionspreis des BBSB e. V. zu verleihen.

Ich freue mich deshalb den Vertretern der Firma Apple nun als sichtbares Zeichen für den Inklusionspreis des BBSB e. V. das Kunstwerk „die unendliche Fläche“ des Künstlers Gerhard Wokurka zu übergeben.

Ich verbinde damit erstens den Dank an die Firma Apple für ihr hervorragendes Engagement bei der barrierefreien Gestaltung ihrer Produkte und zweitens den Dank dafür, einen Trend gestartet zu haben hin zu universellem Design im Bereich der Computertechnik.

Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund e.V. (BBSB)

Der BBSB ist die Selbsthilfeorganisation der rund 80.000 blinden und sehbehinderten Menschen in Bayern sowie der Patienten mit Augenerkrankungen. Er vertritt ihre Interessen gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Ziel des BBSB ist, blinden und sehbehinderten Menschen ein selbstbestimmtes und möglichst selbständiges Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen. In 10 Beratungs- und Begegnungszentren bietet der BBSB wohnortnahe Hilfen an – dazu gehören der ambulante Reha-Dienst mit Schulung in Orientierung und Mobilität sowie selbständiger Haushalts- und Lebensführung, sozialrechtliche Beratung, individueller Textservice, berufliche Rehabilitation, Austausch mit Gleichbetroffenen, Freizeit und Fortbildung.

Kategorie: Apple

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