Radio Reportage über Arbeitsbedingungen bei Apple Zulieferer Foxconn teilweise erfunden

| 18:23 Uhr | 2 Kommentare

Es ist allseits bekannt, dass Apple einen Großteil seiner iOS-Geräte bei Foxconn fertigen lässt. Mehrere Selbstmorde und Selbstmordversuche von Foxconn-Mitarbeitern haben die Öffentlichkeit in den letzten Monaten auf die Arbeitsbedingungen in Foxconn City aufmerksam werden lassen. Mehrere Pressevertreter befassten sich mit der Materie und berichteten über die Arbeitsverhältnisse bei Foxconn.

Vor gut zwei Monaten sorgte eine Reportage beim US Radiosender NPR für Aufsehen. Unter der Überscherift „This American Life“ werden monatlich aktuelle Themen aufgegriffen und durchleuchtet. In dem Beitrag „Mr. Daisy and the Apple Factory“ beschäftigte sich Autor Mike Daisey mit den Arbeitsbedingungen bei Foxconn. In der knapp 1-stündigen Sendung berichtete Daisy über schlechte Arbeitsbedingungen, Selbstmorde, Selbstmordversuche und Krankheitsgeschichten der Foxconn Mitarbeiter. Bei vielen Apple-Kritikern stieß Mike Daisey auf offene Ohren. Rekordzahlen bei den Zuhörern waren eine Folge.

Nun stellt sich jedoch heraus, dass weite Strecken der Berichterstattung frei erfunden waren, so haben z.B. diverse Interviews vor den Toren von Foxconn-City überhaupt nicht stattgefunden. Nach dem ausgestrahlten Bericht forschte Rob Schmitz, Leiter des chinesischen Büros von NPR, nach. Über Google machte er die Übersetzerin des Berichts Cathy Lee in Shenzen ausfing und befragte diese ob die Behauptungen tatsächlich so von ihr übersetzt wurden. Im Besonderen ging es um Fragen, ob das Foxconn Sicherheitspersonal Waffen trägt, ob Foxconn Mitarbeiter im Alter von 14,13 oder 12 sind, und ob sich die Hände der Mitarbeiter aufgrund der monotonen Arbeit bei der iPad-Fertigung verformen. Alle Antworten beantwortete Lee mit „Nein“.

Mittlerweile hat der US Radiosender NPR die Sendung zurückgezogen, eine neue Folge zu dem Thema gibt es hier. Der Autor Mike Daisey meldete sich bereits über seinen eigenen Blog zur Wort. Unter anderem heißt es: “Ich stehe zu meiner Arbeit. Meine Sendung ist mehr theatralisch als journalistisch und soll eine menschliche Verbindung zwischen unseren Geräten und den brutalen Umständen schaffen, aus denen sie stammen”. (via)

2 Kommentare

  • Zornigel

    Wenn jetzt Journalisten beginnen ihre Arbeit zu verfälschen nur um Einschaltquoten zu bekommen, ist ihre Arbeit leider nichts mehr Wert. Und der Berufsstand des Journalisten in Gefahr, den wer kauft den noch Storys, die aus dem Finger gezogen, erstunken und erlogen sind.
    Glücklicherweise sind nicht alle Journalisten so.

    19. Mrz 2012 | 15:38 Uhr | Kommentieren
  • Andre

    … solche „Journalisten“ sollten von ihren berufsständischen Vereinigungen geächtet werden – nur das würde (vielleicht..) dem Sensationsjournalismus ein wenig Einhalt gebieten…
    … aber auch unsere „liebsten“ (zumindest meistgelesenen…) Tageszeitungen bringen täglich derartiges und niemanden stört es…
    … und auch jeglicher sonstige Journalismus sollte von wirklich interessanten Lesern / Zuschauern verifiziert werden…

    12. Apr 2012 | 18:04 Uhr | Kommentieren

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