Ehemaliger iOS-Chef Scott Forstall spricht über die Anfänge des App Stores

| 17:33 Uhr | 2 Kommentare

Seit Monaten befinden sich Epic Games und Apple nun schon im Schlagabtausch. Der Hersteller aus Cupertino hatte Epics Spiel Fortnite aufgrund von Verstößen gegen die Richtlinien aus dem App Store geschmissen. Epic Games reagierte mit mehreren Klagen. Wie die Gerichtsakten zeigen, hat das Unternehmen nun auch den ehemaligen iOS-Softwarechef, Scott Forstall, als Zeugen aussagen lassen.

Scott Forstall sagt im Rechtsstreit aus und gibt Apple Rückenwind

Forstall war bis 2012 Apples Chef der Softwareentwicklung und spielte eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des ersten iPhones sowie des iPhone-Betriebssystems. Allzu gut haben sich Forstall und Apple damals angeblich nicht voneinander getrennt, weswegen sich Epics Anwälte viel von den Aussagen des ehemaligen Mitarbeiters versprochen hatten. Letztendlich dürften sie nach der Befragung etwas enttäuscht gewesen sein:

Steve Jobs wollte zuerst keinen App Store

Eines der Hauptthemen in der Befragung ist Apples App Store. Wie Forstall angibt, war Steve Jobs zunächst einer der größten Gegner eines App Stores. So erklärt Forstall, dass bei Apple mehrere Ansätze diskutiert wurden, wie Entwickler Apps auf das iPhone bringen könnten.

Neben der damals diskutierten Möglichkeit für Drittanbieter native Anwendungen zu entwickeln und anzubieten, waren Web-Apps hoch im Kurs. Auf die Frage welche Apple-Führungskräfte die Web-Apps bevorzugten, erklärt Forstall, dass Steve Jobs der prominenteste Verfechter dieser Variante war. Forstall hingegen war laut eigenen Aussagen der „lautstärkste Befürworter für die Ermöglichung der Entwicklung von Apps von Drittanbietern im App Store“, was zu hitzigen Diskussionen mit Steve Jobs geführt haben soll.

Forstall führt in der Erklärung aus, dass seine Erfahrung mit Web-Anwendungen es „sehr klar machte, dass diese Apps nicht so gut sein würden wie native Apps“. Er wollte jedoch „die bestmöglichen Apps auf der Plattform haben“. Das Argument setzte sich durch und so gehört heute der App Store zu den erfolgreichsten digitalen Vertriebsplattformen.

Sicherheit im App Store

Natürlich hakt Epic Games insbesondere bezüglich der Vertriebsmethoden von iPhone-Apps nach. Das ist immerhin der Stein, der den Rechtsstreit ins Rollen gebracht hat. Auf Nachfrage gibt Forstall Details über Apples frühe Entscheidungsfindung bezüglich der Vertriebsmethoden. So erinnert er sich:

„Wir hatten also Diskussionen über die Vorzüge und Gefahren der Verteilung auf verschiedenen Wegen, innerhalb eines Unternehmens und dann auch außerhalb des Unternehmens. […]

Nachdem wir die Diskussion geführt hatten, glaube ich, dass im Grunde genommen alle Führungskräfte den App Store und unsere Vertriebsmodelle für Unternehmen als die beiden besten Mechanismen zum Schutz unserer gemeinsamen Kunden und für eine breite Verteilung für Entwickler befürworteten.“

In-App-Käufe im App Store

Auch bei der Befragung bezüglich der Einführung von In-App-Käufen haben Epics Anwälte womöglich Material erwartet, das man gegen Apple verwenden könnte. Doch auch hier gab Forstall eine schlüssige Erklärung und liefert Epic bei der Gelegenheit ein praxisnahes Beispiel:

„Ich meine, es gibt eine Reihe von Gründen, warum wir IAP hinzugefügt haben. Es war, um es für Entwickler einfacher zu machen, digitale Güter zu verkaufen.

Wenn Sie ein Spieleentwickler sind und ein zusätzliches Level haben, das Sie verkaufen möchten, aber der Kunde muss eine Kreditkarte eingeben, könnte das ein großes Hindernis für den Kunden sein, dieses zusätzliche Level zu kaufen; während, wenn es nur heißt: „Hey, klick auf diesen Button und du bekommst für 99 Cent ein weiteres Level“, der Nutzer viel eher darauf klicken wird. Und Apple hat bereits Ihre Kreditkarte in der Datenbank, so dass es wirklich vereinfacht wird. Und es ist ein großer Gewinn für den Entwickler, einen einfachen Mechanismus eingebaut zu haben, um Waren innerhalb der App zu verkaufen. Das war also der Hauptgrund, warum wir das gemacht haben: um es für Entwickler viel einfacher zu machen, eine weitere Einnahmequelle zu haben.

Und als der App Store und die Apps reiften, lernten wir einfach viel mehr über verschiedene Mechanismen, wie man Entwicklern helfen kann, Geld zu verdienen.“

(via 9to5Mac)

Kategorie: Apple

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2 Kommentare

  • Gast1

    Tja , Herr Forstell das ist alles gut durchdacht und umgesetzt sonst wäre der AppStore nicht so erfolgreich.
    Man kann nur nichts gegen die Geldgier einiger Firmen tun die den Hals einfach nicht voll genug bekommen.
    So Firmen wie Epic gibt es immer mehr und sollten die Richter hier keinen Riegel vorschieben und solchen
    Firmen einhalt gebieten sehe ich Schwarz was Sicherheit und Einfachheit bei Apple ausmacht.
    So Akteure verderben immer den Brei .

    Warum fragt der Richter eigentlich nicht mal die Kunden die es betrifft ? Ich glaube das würde sehr deutlich
    gegen Epic gehen.

    28. Apr 2021 | 19:13 Uhr | Kommentieren
    • TechnikDieBegeistert

      Absolut richtig. Ich hoffe, dass dieser Prozess bald zugunsten der aktuellen Storemodelle (und das betrifft eben NICHT nur Apple, sondern ist bei allen identisch) zuende geht und wir uns wieder wichtigerem zuwenden können, als Zeit für kleine, gierige Typen zu verschwenden.

      29. Apr 2021 | 17:10 Uhr | Kommentieren

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