Apple hatte einst ehrgeizige Pläne, SpaceXs Starlink mit einem eigenen Satelliteninternetdienst herauszufordern. Ein von The Information veröffentlichter Bericht bietet nun einen faszinierenden Einblick in die strategischen Überlegungen des Unternehmens und zeigt, warum selbst die tiefen Taschen von Apple die Politik der Branche nicht überwinden konnten.

Fotocredit: Apple
Die Geburt von „Project Eagle“
Im Jahr 2015 begann Apple Gespräche mit Boeing über ein ehrgeiziges Vorhaben namens „Project Eagle“. Der Plan sah vor, eigene Satelliten in die Erdumlaufbahn zu schießen, um Internetdienste direkt an iPhones und Haushalte zu übertragen. Die Nutzer sollten dabei spezielle Antennen an ihren Fenstern anbringen und so jedes Haus in einen Satelliten-Internetknotenpunkt verwandeln.
Apples Motivation ging hierbei über eine einfache Erweiterung des eigenen Angebots hinaus. Mobilfunkanbieter wurden schon immer als „notwendige, aber unbequeme Partner“ angesehen. „Projekt Eagle“ hätte ein Schritt in Richtung Unabhängigkeit von diesen Partnern werden können, ebenso wie es Apple Silicon bei den Chips war. Das Unternehmen stellte 36 Millionen US-Dollar bereit, um das Satelliten-Konzept in einer Einrichtung in El Segundo, Kalifornien, zu testen.
Doch trotz des anfänglichen Enthusiasmus hatte „Project Eagle“ mit erheblichem Gegenwind zu kämpfen. CEO Tim Cook war besorgt, dass die wichtigen Beziehungen von Apple zu Telekommunikationsunternehmen Schaden nehmen könnten. Die enormen Kosten des Projekts stellten eine weitere Herausforderung dar, vor allem ohne einen klaren Weg zur kurzfristigen Rentabilität.
Im Jahr 2016 zog Apple schließlich den Stecker. Hochrangige Mitarbeiter, die an dem Projekt beteiligt waren, verließen daraufhin das Unternehmen und markierten das Ende von Apples erstem ernsthaften Versuch, im Bereich des satellitengestützten Internets Fuß zu fassen.
Eine zweite Chance
Apple war jedoch nicht bereit, seine Satelliten-Träume aufzugeben. Der ehemalige Leiter der Hardwareentwicklung, Dan Riccio, bildete ein neues Team, um drahtlose Möglichkeiten zu erforschen, mit denen sich Apple-Geräte abheben könnten. Im Jahr 2018 wandte sich das Unternehmen an bestehende Satelliten-Internetanbieter wie OneWeb, um mögliche Investitionen zu prüfen.
OneWeb lieferte jedoch die ernüchternde Nachricht, dass die Einführung eines umfassenden Internetdienstes für den Heimgebrauch 30 bis 40 Milliarden US-Dollar kosten würde. Einmal mehr kollidierten Apples Ambitionen mit der finanziellen Realität und dem damit verbundenen hohen Risiko.
Die Umstellung auf Notdienste
Anstatt die Satelliten ganz aufzugeben, konzentrierte sich das Apple-Team auf die Notfallkommunikation. Der pragmatische Ansatz führte im Jahr 2022 zu „Notruf SOS via Satellit“, mit dem iPhone-Benutzer Notdienste von abgelegenen Orten ohne Mobilfunkabdeckung über eine Satellitenverbindung kontaktieren konnten.
Die Funktion erwies sich als so erfolgreich, dass das Satelliten-Team von Apple vorschlug, den Dienst im Jahr 2023 zu erweitern. Ihre Vision beinhaltete einen vollständigen Internetzugang für iPhones in abgelegenen Gebieten unter Verwendung von Satelliten der nächsten Generation. Apple lehnte diese Expansion jedoch ab, da man wieder befürchtete, die Mobilfunkanbieter zu verärgern, die nach wie vor wichtige Partner sind. Stattdessen folgte im Jahr 2024 mit „Nachrichten über Satellit“ eine kleinere Erweiterung für den Dienst.
Hat die Satelliten-Funktion eine Zukunft bei Apple?
Heute werden die Satelliten-Funktionen von Apple zunehmend infrage gestellt, was ihre langfristige Rentabilität angeht. Ehemalige Mitarbeiter beschreiben das genutzte Globalstar-Netzwerk als veraltet und langsam im Vergleich zu den Angeboten von SpaceX. Der Dienst kostet Apple jährlich Hunderte von Millionen, ist aber mindestens bis September 2025 für die Nutzer kostenlos. Apples Zögern, von den Kunden Gebühren zu verlangen, ist auf regulatorische Bedenken zurückzuführen.
Wichtige Führungskräfte, darunter Apples Software-Chef Craig Federighi und der Leiter der Unternehmensentwicklung Adrian Perica, sollen sich sogar dafür ausgesprochen haben, die Satelliten-Funktionen ganz abzuschaffen. Ihrer Meinung nach würden die Kunden den Zugang zu Satellitendiensten über ihre bestehenden Mobilfunkanbieter vorziehen.
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