Null-Provision nach Epic-Sieg: Apple kämpft gegen Gerichtsentscheidung im App-Store-Streit

| 8:00 Uhr | 1 Kommentar

Der langjährige Konflikt zwischen Apple und Epic Games um die Gebühren im US-App Store hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. In einem kürzlich eingereichten Schriftstück an das Berufungsgericht legt Apple seine Argumente dar, warum die gerichtlich angeordnete Abschaffung von Provisionen für externe Käufe zu weit geht. Der Konzern sieht sich seines Rechts beraubt, für sein geistiges Eigentum eine Vergütung zu erhalten und warnt vor einem gefährlichen Präzedenzfall.

Der Weg zur Null-Provision

Ursprünglich hatte die zuständige Richterin Yvonne Gonzalez Rogers im Jahr 2021 entschieden, dass Apple es Entwicklern gestatten muss, in ihren Apps auf externe Kaufoptionen zu verweisen. Nach einer langen Übergangsfrist setzte Apple diese Vorgabe Anfang 2024 um, erhob jedoch weiterhin eine Gebühr von 12 bis 27 Prozent auf Käufe, die über die Vermittlung getätigt wurden. Epic Games empfand dies als unzureichend und zog erneut vor Gericht.

Die Richterin stimmte Epic zu und warf Apple eine vorsätzliche Missachtung des ursprünglichen Urteils vor. Im April 2025 folgte eine deutlich verschärfte Anordnung. Apple musste nun nicht nur das Verlinken ohne Gebühren erlauben, sondern verlor auch die Kontrolle darüber, wie diese Links in den Apps gestaltet werden. Apple hatte die geforderten Änderungen zwar umgesetzt, legte jedoch auch Berufung ein.

Apples juristische Argumente

Im Kern argumentiert Apple, dass die neue Verfügung eine unzulässige Erweiterung des ursprünglichen Urteils darstellt. Aus Apples Sicht zwinge die Anordnung das Unternehmen, auf der eigenen Plattform aktiv für konkurrierende Bezahldienste zu werben. Jeder externe Link sei eine unfreiwillige Botschaft an die Nutzer, das sichere Ökosystem des App Store zu verlassen. Diesen Zwang wertet Apple als Verstoß gegen die unternehmerische Redefreiheit. Die Behauptung von Epic, Apple habe nur den Wortlaut, aber nicht den Geist des Gesetzes befolgt, sei eine schwache Grundlage für eine derart weitreichende Neuregelung.

Zudem betont Apple, dass die komplette Streichung der Provision einer unrechtmäßigen Enteignung gleichkommt. Schließlich stelle das Unternehmen die gesamte Technologie und Infrastruktur des App Store zur Verfügung. Anstatt die Einhaltung des ersten Urteils durchzusetzen, habe das Gericht die Regeln einfach neu geschrieben und Apple die Möglichkeit genommen, für die Nutzung seiner Plattform eine faire Kompensation zu verlangen.

Ein Urteil für alle

Besonders kritisch sieht Apple die universelle Gültigkeit der Anordnung. Epic Games ist der einzige Kläger in diesem Fall. Dennoch gelten die neuen Regeln für alle Entwickler im US-App Store. Apple beruft sich dabei auf ein Grundsatzurteil des Obersten Gerichtshofs. Dieses besagt, dass eine Anordnung nicht pauschal für alle gelten darf, wenn nur eine Partei geklagt hat. Die Regelung soll stattdessen passgenau das Problem des Klägers lösen und nicht darüber hinausgehen.

Aus Apples Sicht profitiert Epic in keiner Weise davon, wenn beispielsweise Spotify, Microsoft oder Amazon ihre Dienste ohne Provision anbieten. Die Anordnung sollte daher ausschließlich auf Epic zugeschnitten sein. Das Unternehmen fordert nun die Aufhebung der neuen Verfügung und eine erneute Prüfung des ursprünglichen Urteils. Sollte Apple mit seiner Berufung Erfolg haben, könnten die Gebühren für externe Links bald wieder eingeführt werden.

(via MacRumors)

Kategorie: Apple

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1 Kommentare

  • Fabian

    Daumen drücken! Epics Forderung ist episch.. das System von anderen nutzen ohne auch nur einen Cent auszugeben zu wollen

    31. Aug. 2025 | 14:25 Uhr | Kommentieren

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