Vor fünf Jahren veränderte Apple Silicon die traditionsreichste Produktlinie des Konzerns grundlegend. Was damals begann, hat den Mac auf eine Erfolgsgeschichte geschickt, die bis heute anhält. Der M1-Prozessor sollte sich als Wendepunkt erweisen, der den Mac in ein neues Zeitalter führte.
Fotocredit: Apple
Ein behutsamer Anfang
Die ersten drei M1-Macs kamen in vertrauter Hülle daher. Das MacBook Air, das 13 Zoll MacBook Pro und der Mac mini übernahmen ihre Gehäuse direkt von den Intel-Vorgängern. Apple wählte bewusst diesen Weg, um potenziell skeptische Kunden nicht mit zu viel Neuem zu überfordern.
Als die ersten Benchmark-Ergebnisse eintrafen, löste sich jede Skepsis in Wohlgefallen auf. Die neuen Macs liefen nicht nur schnell, sondern deutlich schneller als ihre Intel-Pendants. Selbst Software, die noch für Intel kompiliert war und über die Übersetzungsschicht Rosetta lief, arbeitete reibungslos.
Apple erneuerte in den Folgejahren nahezu jedes Mac-Modell und passte die Designs an Apple Silicon an. Mit dem Mac Studio kam sogar eine komplett neue Kategorie hinzu. Die Kombination aus neuen Chips, frischen Designs und dem pandemiebedingten Home-Office-Boom ließ die Mac-Verkäufe in die Höhe schnellen. Die fünf Jahre vor Apple Silicon waren bereits Rekordjahre mit durchschnittlich 25,5 Milliarden Dollar Umsatz. Die ersten fünf Jahre mit Apple Silicon übertrafen diese Zahlen deutlich und erreichten im Schnitt 33,7 Milliarden Dollar jährlich. Ein Plus von fast einem Drittel, das alle Zweifel an der Abkehr von Intel verstummen ließ.
Flexible Entwicklung statt starrem Schema
Nach der M1-Generation erwarteten viele Beobachter ein gleichbleibendes Muster bei neuen Chip-Generationen. Apple entschied sich anders. Manche Chip-Varianten erscheinen und verschwinden wieder, manchmal kommen alle Modelle gleichzeitig, manchmal gestaffelt.
Auch technisch unterscheiden sich die Generationen deutlich. Mal verbessert Apple die CPU- oder GPU-Kerne, mal gibt es eine neue Neural Engine. Die bisherige iPhone-Entwicklung bot eine solide Basis, doch in fünf Jahren der Apple Silicon Mac-Produktion ist das Unternehmen weiter auf die spezifischen Anforderungen der Zielgruppe eingegangen.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Trotz gelegentlicher Eigenheiten hat Apple nach dem gewaltigen Sprung von Intel zum M1 keine Generation vermasselt. Jede M-Serie brachte beeindruckende Geschwindigkeitszuwächse. Die CPU-Kerne werden Generation für Generation um 10 bis 30 Prozent schneller. Bei den GPU-Kernen gab es nur in einer Generation keine Geschwindigkeitssteigerung, doch selbst dort verbesserte sich die Grafikleistung insgesamt durch mehr Kerne. Da überrascht es nicht, dass der gerade erschienene M5-Basisprozessor etwa doppelt so schnell ist wie der erste M1.
Das KI-Wettrennen und die Aufholjagd
Wenn Apples Chip-Designer etwas übersehen haben, dann den KI-Boom. Wobei selbst diese Aussage nur bedingt stimmt. Apple bietet in seinen Chips bereits seit fast einem Jahrzehnt etwas, was heute allgemein als NPU bekannt ist. Apples Neural Engine war ihrer Zeit voraus. Der Fehler lag in der Annahme, diese Neural Engine würde für maschinelles Lernen ausreichen. Sie leistet tatsächlich gute Arbeit und wird kontinuierlich verbessert. Der unerwartete KI-Ansturm in der Tech-Branche führte jedoch dazu, dass viel KI-Software für CPU- und besonders GPU-Kerne geschrieben wurde statt für dedizierte NPUs.
Chip-Design braucht Zeit, doch Apple reagierte vergleichsweise schnell. Das M4-Design integrierte neuronale Beschleuniger für KI-Aufgaben auf den CPU-Kernen, das neue M5-Design erweitert diese Beschleuniger auf die GPU-Kerne. Die Designer haben also die KI-Entwicklung schon früh erkannt, mussten aber anpassen, wo die Verarbeitung tatsächlich stattfindet. Erfreulicherweise haben sie das mit Bravour geschafft.
Das Schicksal des Mac Pro
Zum Abschluss wollen wir uns noch einem vermeintlichen Opfer der Apple Silicon Ära widmen. Der Mac Pro existiert zwar noch in Apples Produktpalette, doch seine Leistung entspricht im Großen und Ganzen der eines Mac Studio mit dem gleichen Ultra-Prozessor. Der Mac Studio erhielt ein Upgrade auf den M3 Ultra, der Mac Pro verharrt gefühlt jedoch als Relikt einer anderen Ära.
Während die meisten Macs perfekt zu Apples Chip-Strategie passen, wirkt der Mac Pro wie ein traditioneller PC-Tower aus vergangenen Tagen. Ob es jemals ein weiteres Update geben wird oder warum man ihn einem ähnlich ausgestatteten Mac Studio vorziehen sollte, beantwortet noch nicht einmal Apple selbst. Ausschließen will Macworld eine Rückkehr jedoch nicht. Die letzten fünf Jahre haben gezeigt, dass Apple Silicon immer für eine Überraschung gut ist.
0 Kommentare