Die deutschen Mobilfunknetze haben sich erneut verbessert. CHIP hat gemeinsam mit den Spezialisten von NET CHECK die drei großen Anbieter unter die Lupe genommen. Das Ergebnis fällt durchweg positiv aus.

Fotocredit: Deutsche Telekom
Telekom setzt neue Maßstäbe
Die Telekom darf sich über eine Premiere freuen. Erstmals erhält der Bonner Konzern das Prädikat „exzellentes Netz“ und unterstreicht damit seine Führungsposition am deutschen Markt. Mit der Schulnote 1,2 liegt die Telekom erneut an der Spitze. Gegenüber dem Vorjahr konnte sie sich um 0,5 Prozent steigern und dabei letzte kleinere Schwächen bei der Verfügbarkeit beseitigen. Die Auszeichnung „exzellent“ vergibt CHIP nur, wenn ein Netz in allen drei Teilwertungen mindestens die Note 1,2 erreicht. Das betrifft mobiles Internet, Telefonie und Netzverfügbarkeit gleichermaßen.
Besonders stark präsentiert sich die Telekom im 5G-Bereich. Hier sichert sie sich mit der Note 1,1 den Spitzenplatz. Auch in den Fernzügen liegt der Magenta-Anbieter vorn. Allerdings zeigt die Note 1,7 in dieser Unterkategorie, dass die Baustelle „Deutsche Bahn“ weiterhin besteht. In vier von fünf getesteten Großstädten gewinnt die Telekom das Städteranking. Nur in Stuttgart muss sie sich knapp von Vodafone geschlagen geben.
Vodafone meistert neue Herausforderung
Vodafone belegt mit der Schulnote 1,3 den zweiten Platz und verbessert sich gegenüber dem Vorjahr um 0,9 Prozent. Bemerkenswert ist diese Leistung vor allem vor dem Hintergrund einer großen Veränderung im deutschen Mobilfunkmarkt. Der Netzbetreiber 1&1 hat seinen Roaming-Partner gewechselt. Über 11 Millionen Kunden nutzen nun das Vodafone-Netz, wenn keine eigenen 1&1-Funkmasten verfügbar sind. Das dürfte nach Schätzungen rund 20 Prozent des Datenverkehrs bei Vodafone ausmachen.
Die Integration dieser zusätzlichen Last hat Vodafone überraschend gut gemeistert. Die Netzqualität leidet nicht darunter. Das Netz verarbeitet die neuen Teilnehmer anscheinend problemlos und verbessert sich sogar.
o2 profitiert von Entlastung
o2 erreicht erstmals die „sehr gute“ Schulnote 1,5 und steigert sich mit 3,4 Prozent am stärksten im Jahresvergleich. Der dritte Platz bleibt dem Münchner Anbieter dennoch erhalten. Die Verbesserung hat vermutlich auch mit dem Wegfall der 1&1-Roaming-Kunden zu tun. Die dadurch freigewordenen Kapazitäten kommen offenbar der Netzqualität zugute. Besonders deutlich zeigt sich die Steigerung beim mobilen Internet in dicht bevölkerten Gebieten.
Aufwendige Testmethodik
Das Testergebnis basiert auf zwei Säulen. Zum einen stellen über 1,5 Millionen Handynutzer ihre Daten anonymisiert zur Verfügung. Diese Crowdsourcing-Informationen geben Aufschluss über die Alltagsperformance der Netze. Zum anderen führt NET CHECK umfangreiche Messungen vor Ort durch. Die Techniker legten fast 8.400 Kilometer mit dem Auto zurück und untersuchten 35 Städte auf ihre Netzqualität. In den Zügen der Deutschen Bahn kamen weitere 2.665 Kilometer zusammen.
Erstmals kam bei den Messfahrten ein Elektroauto zum Einsatz. Der Kia EV3 verfügt über die V2L-Technologie und kann dadurch die energieintensiven Messsysteme zuverlässig direkt mit Strom versorgen. Alle Tests erfolgten mit Samsung Galaxy S25+ Smartphones bei aktiviertem 5G.
Fazit
Die deutschen Mobilfunknetze entwickeln sich positiv weiter. Der Datenverkehr steigt jährlich um 30 bis 40 Prozent. Ende 2025 werden voraussichtlich 10 GByte Datenvolumen pro Kopf und Monat erreicht. Die Einführung von 5G hilft den Betreibern, diese wachsenden Anforderungen zu bewältigen. Problemzonen bleiben dennoch bestehen, insbesondere in den Zügen der Deutschen Bahn.
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