Netflix will Warner Bros. Discovery kaufen. Was zunächst wie ein Gerücht klingt, ist seit heute offiziell und der Preis dafür beträgt stolze 82,7 Milliarden Dollar. Sollten die Regulierungsbehörden zustimmen, könnte dieser Deal die gesamte Streaming-Landschaft grundlegend verändern.

Netflix setzt sich im Bieterwettbewerb durch
Dass Warner Bros. Discovery zum Verkauf steht, war schon länger bekannt. Weniger klar war hingegen, wer am Ende den Zuschlag bekommen würde. Neben Netflix hatten auch Paramount Skydance und Comcast mitgeboten, doch am Ende setzte sich der Streaming-Riese durch. Netflix bietet 27,75 Dollar pro Aktie, was einem Eigenkapitalwert von 72 Milliarden Dollar entspricht, während die restlichen Milliarden auf die Übernahme bestehender Schulden entfallen.
Dafür bekommt Netflix einiges geboten. Die legendären Film- und Fernsehstudios von Warner Bros. gehören ebenso zum Paket wie der Streamingdienst HBO Max, der Kabelsender HBO und eine Filmbibliothek, die ihresgleichen sucht. Casablanca, Harry Potter und Friends würden künftig fest neben Netflix-Hits wie Stranger Things und Squid Game im gleichen Katalog stehen.
Ted Sarandos, einer der beiden CEOs von Netflix, spricht von einer einzigartigen Gelegenheit, dem Publikum mehr von dem zu bieten, was es liebt. Sein Co-CEO Greg Peters betont vor allem die langfristigen Vorteile und verweist darauf, dass Warner Bros. seit über hundert Jahren die Unterhaltungsbranche mitprägt. Mit der globalen Reichweite von Netflix könnten diese Inhalte nun einem noch größeren Publikum zugänglich gemacht werden.
Was das für Apple bedeutet
Während Netflix feiert, dürften andere Unternehmen der Branche eher besorgt auf den Deal blicken. Netflix galt ohnehin schon als Gewinner des Streaming-Marktes und baut diesen Vorsprung mit Marken wie Batman und Harry Potter nun massiv aus.
Besonders Apple sollte genau hinschauen. Warner Bros. Television gehört zu den wichtigsten Produktionspartnern für Apple TV und verantwortet einige der erfolgreichsten Serien des Dienstes. Der Dauerbrenner Ted Lasso stammt aus diesem Studio. Gleiches gilt für die Serie Shrinking mit Jason Segel, die sich ebenfalls zu einem Publikumsliebling entwickelt hat.
Die Serien haben maßgeblich dazu beigetragen, Apple TV als ernstzunehmenden Streamingdienst zu etablieren. Wenn Netflix das Studio übernimmt, stellt sich unweigerlich die Frage, wie es mit diesen Produktionen weitergeht. Bestehende Verträge, wie die Fortsetzung von Ted Lasso, werden voraussichtlich erfüllt, doch ob Netflix langfristig Interesse daran hat, Inhalte für einen direkten Konkurrenten zu produzieren, darf bezweifelt werden. Apple könnte gezwungen sein, sich nach neuen Partnern umzusehen oder die eigenen Produktionskapazitäten deutlich auszubauen.
Auch beim Thema Kino gibt es Fragezeichen. Netflix hat bisher wenig Interesse an Kinostarts gezeigt, obwohl das Unternehmen in der Pressemitteilung verspricht, die bisherige Strategie von Warner Bros. beizubehalten. Ob dieses Versprechen auch in fünf Jahren noch gilt, wenn der Deal längst abgeschlossen ist, steht auf einem anderen Blatt. Netflix rechnet mit einem Abschluss des Deals innerhalb von 12 bis 18 Monaten.
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