Die Zeiten, in denen Apple bei TSMC die unangefochtene Nummer eins war, scheinen vorbei zu sein. Ein neuer Bericht zeigt, wie sich die Machtverhältnisse zwischen dem iPhone-Hersteller und seinem wichtigsten Chiplieferanten verschoben haben.
Fotocredit: Apple
Ein unangenehmer Besuch in Cupertino
Als TSMC-Chef CC Wei im vergangenen August nach Cupertino reiste, hatte er keine guten Nachrichten im Gepäck. Der Chipfertiger würde die Preise so stark anheben wie seit Jahren nicht mehr. Tim Cook und sein Team nahmen die Ankündigung gelassen hin, schließlich hatte Wei die Erhöhungen bereits in mehreren Quartalsberichten angedeutet. Die steigenden Bruttomargen des taiwanesischen Unternehmens sprachen ohnehin eine deutliche Sprache.
Doch das war noch nicht alles. Laut des Berichts von Tim Culpan bei Culpium muss Apple inzwischen aktiv um Produktionskapazitäten kämpfen. Der anhaltende KI-Boom sorgt dafür, dass Grafikchips von Nvidia und AMD immer mehr Platz auf den Wafern beanspruchen. Apples Chipdesigns haben damit keinen garantierten Platz mehr in TSMCs fast zwei Dutzend Fabriken.
Nvidia könnte Apple als größten Kunden ablösen
Besonders brisant ist eine Information, die Wei seinem Gegenüber wohl verschwieg. Apple ist möglicherweise nicht mehr TSMCs größter Kunde. Angesichts der explosionsartigen Nachfrage nach KI-Beschleunigern wäre das keine Überraschung.
Die Partnerschaft zwischen Apple und TSMC war über viele Jahre für beide Seiten äußerst profitabel. Dass sich diese Dynamik nun verschiebt, deutete sich bereits an. Im vergangenen Herbst berichtete die China Times, dass der A20-Chip für das kommende iPhone deutlich teurer werden könnte. Außerdem kursieren Gerüchte über Gespräche zwischen Apple und Intel zur Fertigung von Mac- und iPhone-Chips.
Niemand erwartet, dass Apple TSMC komplett den Rücken kehrt, doch der Bedarf an Diversifizierung in der Lieferkette scheint größer denn je. Zudem macht die US-Regierung verstärkt Druck auf amerikanische Technologieunternehmen, ihre Chipproduktion ins Inland zu verlagern.
Welche Auswirkungen die aktuelle Lage auf Verbraucher haben wird, lässt sich schwer vorhersagen. Sollte die iPhone 18 Generation allerdings teurer ausfallen als ihre Vorgänger, hätten wir zumindest eine plausible Erklärung.
Die Schlagzeile dann in einigen Jahren: Apple eröffnet seine erste Fab und beginnt Chips selbst zu fertigen.