Wenn Tim Cook ein Thema bei gleich mehreren Anlässen hervorhebt, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Beim jüngsten Earnings Call und einem internen Meeting rückte der Apple-CEO Visual Intelligence auffällig in den Mittelpunkt. Laut Bloombergs Mark Gurman ist das kein Zufall, denn Cook hat schon in der Vergangenheit Themen gezielt aufgebaut, bevor passende Produkte folgten.

Meta Ray-Ban Display – Fotocredit: Meta
Was hinter Cooks Begeisterung steckt
Wie Mark Gurman in seinem aktuellen „Power On“-Newsletter schreibt, hat Cook Visual Intelligence zuletzt bei mehreren Gelegenheiten hervorgehoben. Beim Earnings Call zum Weihnachtsquartal bezeichnete er das Feature als eines der beliebtesten von Apple Intelligence. Bei einem internen All-Hands-Meeting betonte er zudem Apples „enormen Vorteil“ durch die installierte Basis von 2,5 Milliarden Geräten und kam erneut auf Visual Intelligence zu sprechen.
Das ist insofern interessant, als Visual Intelligence in seiner aktuellen Form im Grunde ein Aufsatz auf die KI-Dienste von OpenAI und Google ist. Apple nutzt derzeit ChatGPT, um Anfragen auf Basis von Fotos und Bildern zu verarbeiten. Dass Cook das Feature trotzdem so offensiv bewirbt, deutet laut Gurman darauf hin, dass Apple intern bereits an eigenen visuellen Modellen arbeitet, die langfristig die Modelle von OpenAI und Google ersetzen sollen.
Tatsächlich ist Apple in diesem Bereich alles andere als unerfahren. Die Arbeit an Computer Vision für das eingestellte Apple Car-Projekt, die AR-Technologie hinter der Apple Vision Pro und Forschungsarbeiten wie „Ferret-UI“ zur Analyse von App-Oberflächen zeigen, dass die technische Grundlage vorhanden ist.
Cook hat das schon früher so gemacht
Gurman sieht in Cooks Verhalten ein Muster, das sich bereits mehrfach bewährt hat. 2013 sprach Cook wiederholt über das enorme Potenzial von Sensortechnologie, während Apple im Hintergrund an einem tragbaren Gesundheitsgerät arbeitete. Kurze Zeit später wurde die Apple Watch vorgestellt, die mit jeder Generation mehr Gesundheitssensoren erhielt.
Ähnlich lief es bei der Apple Vision Pro. Lange bevor das Headset offiziell angekündigt wurde, sprach Cook öffentlich über die Vorteile von Augmented und Virtual Reality. Dass er nun Visual Intelligence in den Mittelpunkt stellt, passt in dieses Schema und lässt auf neue Hardware in genau diesem Bereich schließen.
AirPods, Apple Glasses und ein KI-Pin
Aktuell kursieren Gerüchte zu gleich drei neuen Produktkategorien. Den Anfang sollen AirPods mit integrierten Kameras machen, die Gerüchten zufolge Ende 2026 erscheinen könnten. Dabei geht es weniger um Fotografie als vielmehr darum, Apple Intelligence einen Blick auf die Umgebung zu ermöglichen. Die verbauten Kameras sollen niedrigauflösend oder im Infrarotbereich arbeiten und der KI als visuelle Schnittstelle zur realen Welt dienen.
Ebenfalls für Ende 2026 wird eine erste Version der Apple Glasses erwartet, zunächst als Brille mit Kamera und Audio, vergleichbar mit Metas Ray-Ban-Kooperation. Eine vollwertige AR-Erfahrung soll erst in einer späteren Generation folgen.
Das jüngste Gerücht betrifft einen KI-Pin, der an der Kleidung befestigt werden kann und ebenfalls mit einer Kamera ausgestattet wäre. Alle diese Geräte verfolgen dasselbe Ziel, nämlich Apple Intelligence mit visuellem Kontext zu versorgen.
Die praktischen Anwendungen reichen dabei von einfachen Szenarien wie der Erkennung von Zutaten auf einem Teller bis zu kontextbasierter Navigation. Statt „In 20 Metern links abbiegen“ könnte die Anweisung künftig „Am Straßenschild links abbiegen“ lauten, weil die KI die Umgebung tatsächlich sieht.
Bis dahin ist es noch weit
So vielversprechend die Pläne klingen, die technischen Hürden sind nicht zu unterschätzen. Apple hat zwar bereits Herzfrequenzsensoren in die kompakten AirPods integriert, doch Kameras benötigen deutlich mehr Bandbreite für die Echtzeitkommunikation mit dem iPhone. Erste AirPods mit einfachen Kameras könnten zwar bereits Ende 2026 erscheinen, doch bis zu wirklich leistungsfähigen Kamerasystemen in einem so kleinen Gehäuse ist es noch ein weiter Weg.
Ähnlich verhält es sich bei den Apple Glasses. Auch hier rechnen Analysten mit einer ersten Version Ende 2026, allerdings nur mit Kamera und integrierten Lautsprechern. Apple will langfristig eine möglichst leichte und schlanke Brille mit vollwertiger AR-Erfahrung bauen, was den Spielraum für zusätzliche Technik massiv einschränkt. Bis dahin dürften noch mehrere Generationen vergehen.
Hinzu kommt, dass Siri nach wie vor hinter den Erwartungen zurückbleibt. Die Verzögerungen bei der neuen, kontextbezogenen Version wirken sich zwangsläufig auch auf andere KI-Projekte aus, da Siri als zentrale Schnittstelle für viele dieser Wearable-Funktionen dienen soll.
Apple wird also voraussichtlich noch in diesem Jahr erste KI-Wearables zeigen. Doch was Ende 2026 auf den Markt kommt, dürfte erst ein Vorgeschmack auf das sein, was Cook langfristig vorschwebt.
GurmanShmurman Geschwätz. Muss man nicht ernst nehmen.