Apple hat beim Supreme Court einen Notfallantrag eingereicht und bittet das oberste US-Gericht, die laufenden Verfahren zur Berechnung zulässiger App-Store-Gebühren vorläufig auszusetzen. Apple will zunächst abwarten, ob der Supreme Court den Fall überhaupt zur Überprüfung annimmt – und argumentiert, dass ohne eine solche Aussetzung ein nicht wiedergutzumachender Schaden entstehe.

Der Hintergrund: Jahrelanger Rechtsstreit mit Epic
Der Streit geht auf das Jahr 2021 zurück, als ein US-Bundesgericht Apple im Rahmen des Epic Games vs. Apple-Verfahrens anwies, seine Anti-Steering-Regeln zu lockern und Entwicklern zu erlauben, in ihren Apps auf alternative Zahlungsmethoden hinzuweisen. Apple setzte die Vorgabe um, erhob jedoch weiterhin Gebühren – drei Prozentpunkte unter dem üblichen Satz. Das Gericht bewertete dies als Missachtung des Gerichts (Contempt of Court) und untersagte Apple im April 2025, auf externe Zahlungslinks in den USA überhaupt Gebühren zu erheben. Seitdem ist dieses Zero-Fee-Modell in Kraft.
Apple legte Berufung ein. Der Neunte Bezirksgerichtshof bestätigte zwar den Contempt-Befund, stellte aber fest, dass Apple eine angemessene Vergütung für seine Technologie erhalten solle – und wies das Ausgangsgericht an, eine solche Gebühr zu berechnen. Genau diese Berechnungsphase möchte Apple nun pausieren.
Was Apple vom Supreme Court verlangt
Apple will das aktuelle Null-Gebühren-Modell für externe Zahlungslinks beibehalten, solange der Supreme Court über eine mögliche Annahme des Falls entscheidet. Das Unternehmen argumentiert, ein Gebührenberechnungsverfahren auf Basis eines seiner Ansicht nach unrechtmäßigen Contempt-Urteils sei inhärent voreingenommen und könnte vertrauliche Geschäftsinformationen offenlegen – ein Schritt, der nicht rückgängig zu machen wäre.
Zudem betont Apple, dass eine Entscheidung des Supreme Courts die gesamte Tragweite des Falls verändern könnte – unter anderem, ob die Anordnung nur für Epic Games gilt oder für alle US-App-Entwickler.
Wie es weitergeht
Der Neunte Bezirksgerichtshof hatte Apple zunächst eine Aussetzung gewährt, diese nach einem Widerspruch von Epic Games jedoch zurückgenommen. Das Mandat, das das Verfahren zurück ans Ausgangsgericht sendet, trat am 5. Mai in Kraft. Sollte der Supreme Court Apples Antrag ablehnen oder den Fall nicht annehmen, werden Apple und Epic Games erneut vor dem Ausgangsgericht über eine angemessene Gebühr verhandeln.
Epic Games Tim Sweeney kommentiert Apples Antrag
Tim Sweeney, CEO von Epic Games, kommentierte bereits den aktuellen Antrag und verwies auf eines der Argumente von Apple hinsichtlich der weitreichenderen Auswirkungen des Falls auf den globalen App-Markt:
This confirms that Apple’s ongoing 5 years of stall tactics in the US court system – leading to the Contempt of Court finding against them and the criminal referral for giving false testimony – is plainly aimed at stalling worldwide relief for developers and consumers.
— Tim Sweeney (@TimSweeneyEpic) May 5, 2026
Update 07.05.2026
Der Oberste Gerichtshof der USA lehnte Apples Antrag ab, die Rückverweisung des Falls an das Bezirksgericht auszusetzen, während Apple einen formellen Antrag auf Überprüfung des Falls durch den Obersten Gerichtshof vorbereitet. Epic hat diese Entscheidung entsprechend kommentiert.
Great news – the Supreme Court denied Apple’s delay tactics. Now we head back to the District Court to determine what Apple can charge for only the necessary costs of implementing external purchase links. https://t.co/VbSc52NpA2
— Epic Games Newsroom (@EpicNewsroom) May 6, 2026
Epic will Apple als kostenlose Werbeplattform benutzen.