Apple gibt sein gesetztes Ziel der Netto-Cash-Neutralität auf und verschafft sich damit kurz vor dem CEO-Wechsel mehr Spielraum für Investitionen, Zukäufe und den Aufbau einer eigenen KI-Infrastruktur. John Ternus kann damit ein finanziell gelockertes Unternehmen als zukünftiger CEO übernehmen, was Spielraum für Innovationen gibt.

Fotocredit: Apple
Mehr Flexibilität bei Barmitteln und Schulden
Apple verfügt über enorme Barreserven, hat sich 2018 aber selbst dazu verpflichtet, diese langfristig auf null zu drücken, also so weit abzubauen, bis sie sich mit den Schulden des Konzerns ausgleichen. Das nennt sich Netto-Cash-Neutralität und war jahrelang die Grundlage dafür, dass Apple gigantische Summen über Aktienrückkäufe und Dividenden an die Anteilseigner auszahlte. Wie The Next Web unter Berufung auf die jüngste Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen berichtet, hat Finanzchef Kevan Parekh diese Vorgabe nun aufgegeben. Künftig werden Barmittel und Schulden getrennt bewertet, was Apple mehr Flexibilität verschafft. Seit 2018 hat der Konzern seinen Netto-Cash-Bestand um mehr als 100 Milliarden US-Dollar reduziert und liegt aktuell bei rund 54 Milliarden US-Dollar. Zum 1. September übernimmt Ternus den CEO-Posten von Tim Cook.
An der Aktionärsorientierung ändert sich grundsätzlich nichts. iclarified verweist auf ein neues Aktienrückkaufprogramm über 100 Milliarden US-Dollar und eine um 4 Prozent erhöhte Dividende von 27 Cent je Aktie. Was wegfällt, ist der Automatismus, jede freie Reserve in Rückkäufe zu lenken.
Mehr Geld für Forschung, Entwicklung und mögliche Zukäufe
Gizmodo wertet den Schritt als Signal, dass sich Apple unter Ternus von der Cook-Ära absetzen soll. Unter Cook floss ein großer Teil der Gewinne über Aktienrückkäufe und Dividenden an die Aktionäre zurück. Ternus kommt aus der Hardware-Entwicklung und dürfte stärker dafür plädieren, freie Mittel ins Produkt zu investieren. Laut den von Gizmodo zitierten Berichten hatten Ingenieure und Produktdesigner intern schon länger gefordert, mehr Kapital im Unternehmen zu halten, etwa für Talentgewinnung, Forschung und größere Übernahmen. Bislang blieb der Kauf von Beats Electronics für drei Milliarden US-Dollar Apples größter Zukauf.
Im Hintergrund steht der KI-Druck der Konkurrenz. Die großen US-Cloud- und Tech-Konzerne planen laut Gizmodo zusammen über 650 Milliarden US-Dollar für Rechenzentren und KI-Infrastruktur auszugeben. Apple agierte hier bisher zurückhaltender. Der Konzern setzt traditionell auf KI direkt auf dem Gerät. Eine Cloud-KI-Infrastruktur in der Größenordnung der Wettbewerber fehlt bislang. Für neue, KI-gestützte Siri-Funktionen muss Apple deshalb vorerst auf Googles Technik zurückgreifen. Die gelockerte Cash-Strategie eröffnet Ternus nun Spielraum für eigene Serverkapazitäten, Partnerschaften oder größere Zukäufe im KI-Umfeld.
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