Netflix hat auf seiner jährlichen Präsentation für Werbekunden in New York angekündigt, dass Werbeanzeigen im kommenden Jahr in weiteren Bereichen der App auftauchen werden. Konkret betroffen sind der neue vertikale Video-Feed und mehr hauseigene Podcasts.

Das Werbeabo und die Reichweite wachsen
Den Hintergrund für den verstärkten Fokus auf Werbung bildet ein deutlich gewachsenes Werbegeschäft, das Netflix bei steigenden Preisen zur zweiten Säule ausbaut. Vor wenigen Jahren hatte Netflix ein werbefinanziertes Angebot noch ausgeschlossen. Inzwischen ist genau dieses Abo der wichtigste Wachstumsmotor. Bei der Präsentation in New York nannte das Unternehmen nun eine Reichweite von über 250 Millionen monatlich aktiven Zuschauern weltweit. Diese Zahl basiert auf einer eigenen Schätzung. Netflix rechnet die Zahl der Abonnenten mit der angenommenen Personenzahl pro Haushalt hoch. Im Vorjahr hatte Netflix an gleicher Stelle noch 94 Millionen Abonnenten genannt, also Verträge statt Zuschauer. Die beiden Werte sind daher nicht direkt vergleichbar.
Wichtiger als die absolute Reichweite ist an dieser Stelle ohnehin die Quote der Neukunden, die sich für das werbefinanzierte Abo entscheiden und derzeit bei 60 Prozent liegt. Über 80 Prozent der Nutzer dieses Abos nutzen den Dienst wöchentlich. Das Werbeabo ist damit kein Nischenprodukt mehr, sondern für viele neue Kunden der Standardeinstieg in den Dienst.
Die angekündigte Ausweitung der Werbung auf den vertikalen Video-Feed war absehbar. Netflix testet dieses Format, in dem kurze Clips aus Serien und Filmen im TikTok-Stil untereinander durchgewischt werden, seit einiger Zeit in der App. Wenn dort Anzeigen erscheinen, dürfte das Format dem ähneln, was Nutzer von Instagram Reels oder TikTok kennen. Somit werden in diesem Fall kurze Werbeanzeigen zwischen den eigentlichen Videos eingestreut. Zusätzlich sollen mehr Netflix-Podcasts mit Werbung versehen werden. Bisher betraf das nur einen kleineren Teil des wachsenden Audio-Programms.
Werbung wird also auch bei Netflix immer wichtiger. Das Abonnentenwachstum trägt den Aktienkurs nicht mehr wie früher. Hinzu kommt, dass die geplante Übernahme von Teilen von Warner Bros. Discovery vom Tisch ist. Werbeerlöse rücken damit stärker in den Fokus. Parallel dazu baut Netflix das Werbeabo geografisch aus und bietet es im kommenden Jahr in 15 zusätzlichen Ländern an, zusätzlich zu den zwölf bisherigen Märkten.
Apple TV ist im Vergleich der großen Streaming-Anbieter der einzige, der bisher keinen werbefinanzierten Tarif anbietet. Apples Service-Chef Eddy Cue hat ein solches Angebot für die Zukunft jedoch nicht ausgeschlossen.
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