Ein ehemaliger Apple-Designer gewährt seltene Einblicke in die Entstehungsgeschichte der AirPods Max und enthüllt dabei, wie viel Zeit, Aufwand und Detailarbeit wirklich hinter Apples Over-Ear-Kopfhörer stecken – von den ersten Designstudien bis zur bewussten Entscheidung gegen ein Apple-Logo.

Entwicklung begann vor den ersten AirPods
Designer Eugene Whang, der insgesamt 22 Jahre lang bei Apple arbeitete, verriet gegenüber dem Magazin Highsnobiety, dass er bereits fünf Jahre vor dem offiziellen Launch im Jahr 2020 an den AirPods Max tätig war. Das bedeutet: Die Entwicklung begann, noch bevor die ersten AirPods 2016 überhaupt das Licht der Welt erblickten. Die verbreitete Annahme, Apple habe den Over-Ear-Kopfhörer erst nach dem Erfolg der In-Ear-Variante in Angriff genommen, ist damit widerlegt.
Whang beschreibt die AirPods Max als im Grunde drei eigenständige Designaufgaben: das Kopfband, das Case und die Ohrpolster. Besonders die Entwicklung der Polster erwies sich als außerordentlich komplex, da sie möglichst vielen verschiedenen Kopfformen und -größen gerecht werden mussten – bequem, ohne zu drücken, und dabei stabil genug für den Alltag. Das Ergebnis war ein langer Prozess mit „hunderten und aberhunderten von Varianten“, wie Whang es beschreibt.
Kein Apple-Logo – eine bewusste Designentscheidung
Eine der auffälligsten Besonderheiten der AirPods Max ist das Fehlen eines Apple-Logos – als einziges Produkt (neben den „normalen“ AirPods) im gesamten Apple-Lineup trägt der Kopfhörer kein sichtbares Markenzeichen. Hinter dieser Entscheidung steckt eine klare Haltung des Designteams: „Wir wollten nicht euren Kopf branden“, erklärt Whang knapp, aber prägnant. Diese Zurückhaltung steht exemplarisch für Apples Philosophie, dass ein Produkt für sich selbst sprechen soll – ohne auf das Logo angewiesen zu sein.
Designkultur ohne Ego: Direktheit als Prinzip
Whang gibt zudem einen ungewöhnlich offenen Einblick in die Arbeitsweise von Apples Designteam unter Jony Ive. Die Atmosphäre sei von Gleichberechtigung und direkter Kommunikation geprägt gewesen – ohne Hierarchien, ohne Eitelkeit. „Alle waren gleich. Du bist nur so gut wie deine Ideen. Wir waren sehr direkt miteinander“, erinnert sich Whang. „Man kritisiert nicht die Person, sondern die Idee.“
Ähnlich wie Ive selbst betont auch Whang die Bedeutung unsichtbarer Details, die Nutzer zwar selten bewusst wahrnehmen, aber dennoch spüren. „Wenn es innen nicht stimmt, stimmt es außen auch nicht“, so sein Credo. Das Team habe buchstäblich von innen nach außen gestaltet – von der Form der Platine über die Platzierung der Komponenten bis hin zu einem sorgfältig durchdachten „Tetris“ der internen Bauteile. „Die Innendetails hatten genauso viel Designarbeit wie das Äußere“, so Whang.
Verantwortung nach dem Launch
Trotz aller Sorgfalt in der Entwicklung endet die Arbeit für Whang und sein Team nicht mit der Markteinführung. Im Gegenteil: „Es gibt immer einen Verteidigungsmodus“, erklärt er. „Was könnte schief gehen, das wir nicht bedacht haben?“ Diese Haltung zeigt, dass hinter jedem Apple-Produkt nicht nur Kreativität, sondern auch ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein steckt.
Nach Apple: LoveFrom und persönliche Auszeit
Whang verließ Apple kurz nach Jony Ive und schloss sich dessen Kreativagentur LoveFrom an – wo er an Projekten arbeitete, die von Technologie bis hin zu Interior Design reichten. Er beschreibt die Zeit als inspirierend und die Menschen als außergewöhnlich. Aus persönlichen Gründen verließ er das Unternehmen jedoch wieder, um sich um seine kranke Mutter zu kümmern.
Übrigens: Auch im Zuge der Markteinführung der AirPods Max im Jahr 2020 gab Whang bereits ein Interview zu den Apple Over-Ear-Kopfhörern.
0 Kommentare