Laut einem Bericht der Financial Times testet Apple DRAM-Speicherchips des chinesischen Herstellers ChangXin Memory Technologies (CXMT). Das staatlich geförderte Unternehmen gilt in Washington als sicherheitspolitisch heikel, ist in den vergangenen Jahren aber zum viertgrößten Speicherhersteller der Welt aufgestiegen.

Vierter DRAM-Lieferant würde Apples Verhandlungsposition stärken
Vergangene Woche war bekannt geworden, dass Apple mit CXMT und dem ebenfalls chinesischen Hersteller Yangtze Memory Technologies (YMTC) über Speicherlieferungen verhandelt. Dem neuen Bericht zufolge ist Apple inzwischen einen Schritt weiter und unterzieht die Chips von CXMT der technischen Prüfung, die üblicherweise der Freigabe eines Zulieferers für die Serienfertigung vorausgeht. Eine Entscheidung für den kommerziellen Einsatz soll noch nicht gefallen sein. Parallel führt Apple laut der Financial Times eine Lobbykampagne amerikanischer Tech-Konzerne an, die bei der US-Regierung um Zustimmung für den breiteren Einsatz chinesischer Speicherchips wirbt.
CXMT hat sich mit massiven Subventionen vom unauffälligen Inlandsanbieter zur Nummer vier im DRAM-Markt hinter Samsung, SK Hynix und Micron entwickelt. Im vergangenen Jahr entfielen rund 11 Prozent der weltweiten DRAM-Waferkapazität auf das Unternehmen, bis 2028 dürfte der Anteil mit neuen Produktionslinien in Hefei, Shanghai und Peking auf 15 Prozent steigen. Wenn sich der Hersteller als Lieferant für Apple qualifiziert, würde Apple im Speicherengpass deutlich besser dastehen. Sobald es von politischer Seite aus grünes Licht gibt, kann Apple sogar sofort die ersten Aufträge vergeben, da zu diesem Zeitpunkt die Testphase bereits beendet sein soll.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Die Vertragspreise für Standard-DRAM sind Berichten zufolge Anfang 2026 um geschätzte 55 bis 60 Prozent gestiegen, weil die Nachfrage nach KI-Servern Kapazitäten aus dem Endkundengeschäft abzieht. Apple hat daraufhin vor Kurzem die Preise für einen großen Teil des Produktsortiments angehoben. Ein vierter qualifizierter Speicherlieferant würde dem Unternehmen in künftigen Verhandlungen mit Samsung, SK Hynix und Micron mehr Spielraum verschaffen und könnte weitere knappheitsbedingte Preiserhöhungen zumindest bei Geräten für den chinesischen Markt abfedern.
Politisch bleibt das Vorhaben trotzdem heikel. CXMT und YMTC stehen beide auf der 1260H-Liste des Pentagon, die Firmen mit mutmaßlichen Verbindungen zum chinesischen Militär aufführt. In der Praxis schließt das vor allem Aufträge des US-Verteidigungsministeriums aus, während gewöhnliche kommerzielle Käufe erlaubt bleiben. Rechtlich hindert Apple also nichts daran, CXMT-Chips zu kaufen. YMTC unterliegt strengeren Auflagen, weil das Unternehmen auch auf der Entity List des US-Handelsministeriums steht und amerikanische Firmen für Geschäfte mit ihm eine Exportlizenz benötigen. Von der Regierung will Apple dem Bericht zufolge die Zusicherung, dass CXMT nicht später ebenfalls auf dieser Liste landet und die Lieferkette damit gekappt würde.
Ein früherer Anlauf mit chinesischen Speicherherstellern war 2022 am Widerstand aus Washington gescheitert. Damals ging es unter anderem um YMTC. Laut Bloomberg wirbt Apple-Chef Tim Cook inzwischen persönlich bei Regierungsvertretern für die Pläne. Sein Argument lautet, dass chinesische Speicherchips gezielt in Geräte für den chinesischen Markt wandern könnten, wodurch mehr Chips von Samsung, SK Hynix und Micron für Produkte in anderen Regionen übrig blieben. Innerhalb der Regierung gibt es dem Bericht zufolge allerdings Vorbehalte, sodass offen bleibt, ob sich Apple mit dem Vorstoß durchsetzt.
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