Apple hat Anfang Juli eine Klage gegen OpenAI eingereicht und wirft dem ChatGPT-Entwickler vor, mithilfe abgeworbener Mitarbeiter Geschäftsgeheimnisse entwendet zu haben. Jony Ive taucht in der Klageschrift nicht auf, obwohl der frühere Apple-Designchef inzwischen für OpenAI arbeitet. Laut Bloombergs Mark Gurman hat das zwei Gründe.

Fotocredit: OpenAI
Die Vorwürfe richten sich gegen Tang Tan
Der erste Grund ist schlicht, dass Ive mit den fraglichen Vorgängen kaum etwas zu tun hatte. Bei OpenAI konzentriert er sich auf das geplante Design eines neuen KI-Geräts, während Personalfragen und das operative Geschäft nicht in seinen Bereich fallen. Genau darum geht es in der Klage aber.
Die Klageschrift richtet sich vor allem gegen Tang Tan, der bei OpenAI als Hardware-Chef arbeitet. Apple wirft ihm unter anderem vor, wechselwillige Apple-Mitarbeiter dazu zu bewegen, Prototypen und Designunterlagen mitzunehmen. In seiner Position konnte Tan solche Schritte veranlassen, Ive dagegen nicht.
Der zweite Grund betrifft die Außenwirkung. Gurman zufolge schützt Ive seine enge Freundschaft mit Laurene Powell Jobs, der Witwe von Steve Jobs. Sie unterstützt Tim Cook und John Ternus und pflegt bis heute ein gutes Verhältnis zu Apple. Eine Klage gegen Ive würde diese Beziehung belasten.
Hinzu kommt Ives eigene Geschichte mit dem Unternehmen. Er hat das Apple-Design über zwei Jahrzehnte geprägt und stand Steve Jobs persönlich nahe. Hätte Apple ihn in die Klage aufgenommen, wäre die Sympathie laut Gurman auf seiner Seite gewesen, während Apple der Vorwurf gedroht hätte, eine alte Rechnung zu begleichen.
Ganz unbelastet ist das Verhältnis nämlich nicht. Ive hatte Apple 2019 verlassen und war mit seiner Firma LoveFrom noch bis 2022 als Berater für das Unternehmen tätig. In dieser Zeit wechselten mehrere Apple-Designer zu ihm. Es entstand zumindest der Eindruck, als habe Ive das Designteam abgeworben, während er noch auf der Gehaltsliste stand. Streng genommen könnte Ive in der Klageschrift aber indirekt erwähnt werden. Dort ist von einer Gruppe „ehemaliger Apple-Führungskräfte“ die Rede, zu der Ive mit hoher Wahrscheinlichkeit gehört.
0 Kommentare