Ein Monat Fahrverbot für „Handy am Steuer“ gefordert

| 8:33 Uhr | 2 Kommentare

Die Zahl der Verkehrstoten nimmt wieder zu. Im letzten Jahr war sie um 2,4 Prozent auf 3.459 Menschen gestiegen, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Mitverantwortlich dafür: Die Smartphone-Nutzung am Steuer. Noch nie sind dadurch so viele Menschen in Deutschland ums Leben gekommen wie heute.

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„Die Handynutzung ist zum Killer Nummer vier geworden, nach den bekannten Hauptursachen Geschwindigkeit, Alkohol und Drogen und Verstoß gegen die Anschnallpflicht“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt der DPA.

Für Wendt und den SPD-Verkehrsexperten Martin Burkert ist das ein klarer Fall: härtere Strafen sind angesagt. „Die Nutzung von Handy oder Tablet am Steuer sollte meiner Meinung nach mit einem Monat Fahrverbot geahndet werden“, so Burkert.

Höhere Bußgelder und technische Notfallsysteme

Außerdem müssten Handy-Sünder mit schärferen Bußgeldern belegt werden. Bisher werden dafür 60 Euro und ein Punkt in Flensburg fällig. Das Bußgeld möchte Wendt verdreifachen. Rückenwind erhält der SPD-Mann von Ulrich Lange, dem verkehrspolitischen Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag. Das bisherige Bußgeld sei „zu milde“, so Lange. Der Verkehrsexperte verweist auch auf die Industrie: Zur Vermeidung von Unfällen seien technische Notfalllösungen gefragt. Als Beispiel nannte er Notbremssysteme für LKW.

Fünf Sekunden bei 50 km/h aufs Smartphone geschaut, bedeutet einen „Blindflug“ von 70 Metern, so Reinhard Hoffmann von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie. Wer während der Fahrt Nachrichten checkt oder sogar schreibt, der steigere das Unfallrisiko um das Zehnfache. Für den Experten ist klar: Wer während der Fahrt zum Smartphone greift, begibt sich in Lebensgefahr.

Bundesamt relativiert: Zahlen sind schon rückläufig

Ganz andere Töne kommen unterdessen aus dem Kraftfahrtbundesamt. Seit 2011 habe die Zahl der registierten Verstöße im bundesdeutschen Durchschnitt um 18 Prozent abgenommen. Im letzten Jahr wurden deutschlandweit nur noch 363.000 Handysünder von der Polizei zur Rechenschaft gezogen. (via)

Kategorie: iPhone

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2 Kommentare

  • Marco123

    In Sachen Strafrecht erzählt uns das System, der härtere Strafen keine Prävention für Verbrechen sind. Aber in Verkehrsrecht gilt das wohl nicht? Naja, das eine bringt eben Geld, das andere kostet Geld.

    17. Jul 2016 | 0:13 Uhr | Kommentieren
    • Eddi

      Natürlich sind sie das und wenn damit erreicht wird, dass jemand zu viele Punkte bekommt und deshalb mal ne weile nicht fahren darf, ist das schon sinnvoll. Und meiner Erfahrung nach können Leute die Punkte haben auch entsprechend schlecht/unsicher fahren. Auch wer schneller als erlaubt fährt muss nicht zwangsläufig welche bekommen, wenn er es da tut wo es vergleichsweise ungefährlich ist, die meisten Blitzer stehen halt wirklich an Unfallschwerpunkten, deswegen fahre ich bei Blitzern automatisch nur so schnell wies erlaubt ist. Und aufs Handy gucken ist von der Straße weggucken, also generell das einzige was man beim Autofahren auf jeden Fall vermeiden sollte. Du machst ja zwischendurch auch nicht kurz die Augen zu 😀

      17. Jul 2016 | 4:19 Uhr | Kommentieren

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