iPhone „made in USA“ würde 100 Dollar extra kosten

| 7:44 Uhr | 6 Kommentare

Die beiden führenden Präsidentschaftskandidaten in den USA sind sich zumindest in einem Punkt einig: Apple sollte seine Produktion wieder in die USA verlagern. Doch was würde ein iPhone heute kosten, wenn Apple diesem Wunsch folgen würde? MIT Technology Review hat versucht, diese Frage zu beantworten.

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Fall 1: Apple verlagert nur den Zusammenbau in die USA

Der Zusammenbau der Geräte kostet verhältnismäßig wenig. Schätzungen zufolge liegen die Kosten zwischen vier und 10 US-Dollar. Würde Apple diesen Bereich in die USA verlegen kämen laut Professor Jason Dedrick zwischen 30 und 40 Dollar hinzu.

Die reinen Arbeitskosten nehmen aber nur einen kleinen Teil davon ein. Mehr noch würde der Transport der Teile veranschlagen, so der Wissenschaftler. Im Endeffekt würde ein iPhone 6s Plus etwa 5 Prozent mehr kosten als unter den heutigen Produktionsverhältnissen.

Dabei muss man jedoch auch bedenken, dass ein Großteil des Zusammenbaus heute schon von Maschinen erledigt wird. So viele neue Jobs werden dadurch nicht entstehen, heißt es in der Prognose.

Fall 2: Die komplette Produktion zieht um

Von den insgesamt 766 Partnerunternehmen, die Teile an Apple liefern, sitzen 69 in den Vereinigten Staaten. Etwa die Hälfte residiert in China, der Rest in Japan und Taiwan.

Der Forscher Alex King vom Critical Materials Institute schätzt, eine Rückverlagerung insbesondere der Chip-Produktion wäre durchaus im Bereich des Möglichen. Denn die Ausstattung der Fabriken müsse sowieso alle paar Jahre vollständig umgebaut werden. So ist es schließlich gleichgültig, wo man die neuen Automaten aufstellt, in China oder den USA, der Aufwand wäre annähernd gleich.

Gegen die komplette Rückverlagerung spreche die Verfügbarkeit der nötigen Rohstoffe. Ein iPhone besteht aus 75 einzelnen Elementen. Darauf verweist das Ames Lab. Viele davon müssten – allen voran aus dem rohstoffreichen China – importiert werden, wie etwa Bauxit. In den USA existieren keine Bauxit-Minen.

Das Fazit lautet also: Fall 1 ist leichter umzusetzen als Fall 2. Die Kunden müssten lediglich bis zu 40 Dollar mehr für ein iPhone bezahlen. Sollte man auf den zweiten Weg setzen, würde ein iPhone etwa 100 Dollar mehr kosten. Vorausgesetzt, Apple zeigt sich nicht doch etwa einsichtig und reduziert den geradezu unverschämt hohen Gewinnanteil pro verkauftem Smartphone. Aber dieser Weg widerspricht den Interessen der Anteilseigner, ist also schon gar nicht realistisch.

Kategorie: iPhone

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6 Kommentare

  • MrT

    Ergebnis des Artikels: Wenn Apple auf 100 USD Gewinn / Handy verzichtet, könnte ein iPhone auch „100% made in USA“ sein.

    15. Jun 2016 | 10:09 Uhr | Kommentieren
    • Eddi

      Nö, nur vom Zusammenbau wird gesprochen, viele Teile werden ja trotzdem noch in Asien gebaut. Manche ja sogar in Deutschland (Bosch baut Sensoren). Alles kann man selbst mit den Rohstoffen wohl kaum in den USA bauen, dafür müsste es ja auch erstmal ein paar 100.000 Menschen geben die einen Job brauchen

      15. Jun 2016 | 10:26 Uhr | Kommentieren
    • Gast

      Und da Apple, so wie alle anderen Unternehmen gewinnorientiert sind, wird dies verständlicherweise nicht passieren. Selbst bei Mehrkosten von lediglich $5 -> hochgerechnet auf die Millionen Stückzahlen würde das kein Unternehmen machen. Viele Firmen fangen auch schon an, ihre Produktionen nach Afrika auszulagern – weil asiatische Arbeitskräfte zu teuer werden.
      Aber interessant sind die Zahlen schon….

      15. Jun 2016 | 10:26 Uhr | Kommentieren
      • Lloigorr

        Das lässt sich nicht so pauschal sagen. Gerade in den USA ist Publicity wichtig. So wird der Mac Pro bekanntlich in den Staaten gebaut, obwohl China ein günstigerer Standort wäre.
        Trotzdem kann ich mir gerade wegen der Kosten höchstens eine teilweise Verschiebung vorstellen (zB nur das Plus-Modell mit maximalem Speicher, was deren Absatz dann idealerweise noch bei us-Patrioten steigert)

        15. Jun 2016 | 12:04 Uhr | Kommentieren
      • Eddi

        Ließe sich bewerkstelligen wenn es den Leuten das wert ist… Den Amerikanern dürfte das gefallen trotz Mehrkosten, anderen eher nicht so. Für ein iPhone made in Germany würde ich auch 100 Euro mehr ausgeben.

        15. Jun 2016 | 12:12 Uhr | Kommentieren
  • Marco123

    Wenn man eine Studie mit Mist füttert, kommt auch Mist raus.
    BWL’er sind so genau wie Astrologen.

    15. Jun 2016 | 10:23 Uhr | Kommentieren

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