Epic vs. Apple: Prozess ist zu Ende – finales Urteil kann sich jedoch noch Monate hinziehen

| 14:44 Uhr | 2 Kommentare

Der dreiwöchige „Epic vs. Apple“-Prozess wurde mit einer Reihe von Debatten abgeschlossen, die anstelle der traditionellen Schlussplädoyers stattfanden. Der Abschluss folgt auf die Aussage von Apple-CEO Tim Cook in der letzten Woche, bei der er von Richterin Yvonne Gonzalez Rogers zu Apples Richtlinien im App Store ausgefragt wurde.

Richterin deutet Kompromiss an

Wie Protocol berichtet, wollte Rogers am Ende der Verhandlung zum Kern des Streits vordringen und feststellen, welche Maßnahmen letztlich angemessen sein könnten. Wie schon zu Beginn der Verhandlung deutete Rogers an, dass sie möglicherweise zu einer Art Kompromiss-Urteil neigt, das Apple dazu verpflichten würde, es Nutzern zu erleichtern, Einkäufe im Web statt in Apps zu tätigen. So verstößt die Erwähnung oder die Weiterleitung in der App auf diese alternative Einkaufsmöglichkeit gegen die sogenannte Anti-Steering-Policy des App Store.

Sollte Rogers tatsächlich den Kompromiss vorziehen, wäre Apple verpflichtet, seine Anti-Steering-Restriktionen zu lockern. Der Rest des iOS-Ökosystems bliebe jedoch unangetastet und würde wie gewohnt funktionieren. Apples Anwälte versuchten zwar zu erklären, dass Apples Anti-Steering-Regeln dazu gedacht sind, die Effizienz von Transaktionen zu verbessern, aber Cooks Aussage untergrub laut Rogers dieses Argument. „Cook räumte ein, dass es eine Methode ist, um für geistiges Eigentum entschädigt zu werden“, sagte Rogers.

Die Forderungen

Die Anwälte von Epic Games argumentierten, dass iOS für konkurrierende App Stores geöffnet werden sollte. Apple könnte laut den Anwälten immer noch die Sicherheit und den Datenschutz des aktuellen App Stores bieten, aber mit App Stores von Drittanbietern hätten die Kunden eine Wahl. Epic verwies hierbei auf den Mac als Beispiel dafür, wie iOS aussehen sollte.

Apples Anwälte argumentierten hingegen, dass der Verbraucher bereits die Wahl hat, weil die Anwender Android wählen können. Weiterhin heißt es, dass die geforderten Änderungen das iPhone ruinieren würden. Das System wäre dann weniger sicher – mit Apps, die unmöglich zu kuratieren oder zu moderieren sind.

Rogers war von Epics Argument nicht überzeugt, weil es zu einer so drastischen Veränderung des App Stores führen würde. Epic konnte keine ähnlichen Kartellfälle vorweisen, in denen eine solche extreme Forderung von einem Gericht gewährt worden war.

Am Ende der Verhandlung sagte Richterin Rogers, dass sie davon ausgeht, dass das Urteil noch einige Zeit dauern wird, ein konkretes Datum nannte sie jedoch nicht. Es könnte mehrere Wochen dauern, bis wir wieder etwas über den Prozess hören. Dabei ist es sehr wahrscheinlich, dass gegen jede Entscheidung Berufung eingelegt wird, so dass dies ein Rechtsstreit ist, der sich noch über Monate hinziehen könnte.

Kategorie: Apple

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2 Kommentare

  • Gast1

    Warum ?
    Was soll damit erreicht werden , ein zweites Android mit all seinen schwächen ist das das Ziel ?
    Warum werden hier die Kunden nicht gefragt , warum nur die Firmen und Programmierer ?
    Wenn es nach dieser Gruppe geht hätte es den App-Store nie gegeben.
    Scheisse Frau Richterin……….der Kunde ist König nicht Epic oder andere.
    Selbst 70% vom Ganzen ist noch viel Geld aber immer füttern den Geier.

    25. Mai 2021 | 15:34 Uhr | Kommentieren
  • Gast2

    Warum soll Android ein schwaches System sein? Besitzt Gast1 ein solches überhaupt, oder kennt er nur die Gerüchte? Wer ordentlich mit seinem Handy umgeht und aufpasst, was er macht, kommt bei beiden System (iOS und Android) gut durch die Welt. Ich wurde nur einmal von einem Trojaner befallen, und das geschah ausgerechnet dieses Jahr auf meinem iPhone. Da habe ich das Versprechen, das iPhone sei sicher, zu wörtlich genommen, durfte das Gerät auf Werkseinstellung zurücksetzen und alles neu installieren. Ist mir mit Android noch nicht passiert, wäre dort aber wahrscheinlich genauso möglich.
    Und mal ganz ehrlich, welcher Kunde möchte mehr Geld zahlen als nötig. Gast1, Du würdest Dich doch auch nicht freuen, wenn Du statt 19 % Mehrwertsteuer nun 30 % zahlen müsstest, ohne Mehrwert. Der Aufwand, einen sicheren Handel aufrechtzuerhalten, kostet beim Staat weder die 19 % noch bei Apple die 30 %. Die extrem hohen Gewinnmargen bei Apple fließen doch letztlich an die Besitzer der Apple-Aktien (steigende Aktienkurse, Dividenden) und weniger an die Arbeiter, die die iPhones in China zusammenbauen oder an die sicher besser bezahlten Entwickler von iOS. Ich kenne zwar nicht die genauen Kosten von Apple zum Betreiben ihrer Server und Storages, um die Apps zum Download bereitzustellen, aber ich arbeite in diesem Umfeld, die Preise für Hardware und für Internetanbindungen fallen bzw. man bekommt extrem viel mehr Leistung / Bandbreite für das gleiche Geld als noch vor zehn Jahren.
    Was Gast1 übrigens noch vergessen hat: von den 70 % Rest muss z.B. noch die Mehrwertsteuer abgeführt werden, so dass z.B. nur noch 51 % effektiv übrig bleiben. Und wenn man dann noch überlegt, wieviele Programme / Games für Entwickler wirklich zu Hits werden und wie oft man vielleicht tolle Programme / Games produziert, die aber vom Käufer nicht entdeckt werden und daher die Kosten nie wieder reinholen, dann solltest Du mal darüber nachdenken, wie einfach für Apple die 30 % verdient sind und wieviel Risiko die Entwickler eingehen, um mit 51 % abgespeist zu werden. Letztlich lebt Apple doch davon, dass tolle Programme und Spiele für iOS vorhanden sind. Keiner kauft doch heute ein teures iPhone nur noch zum Telefonieren.

    31. Mai 2021 | 11:18 Uhr | Kommentieren

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